Abschluss

Lernumgebung
Bild: Lisa Kaup

Keine große Erklärung, nur als Einstieg folgendes:
Ein Jahr ist es bald her. Vieles hat sich verändert, einiges ist gleich geblieben und weniges wird bereut. Der Text der hier folgt, entspringt einem kurzen Email-Austausch mit Lisa (Danke!), ich habe mich entschieden, meinen Teil der Konversation ungekürzt zu veröffentlichen. Denn das fehlte an dieser Stelle noch – ein Abschluss. Ohne Regeln, schlechter Rechtschreibung, Wiederholungen, viel zu privat und mit inhaltlichen Brüchen, aber eins: ehrlich.

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Die spinnen, die Dänen!

Lernumgebung
Bild: Lutz Mache | CC

Und es geht Schlag auf Schlag, heute morgen habe ich die zweite mündliche Prüfung hinter mir gelassen. Ich hatte diesmal mehr Glück und bin mit einer sehr zufriedenstellenden Leistung nach Hause gefahren. Damit ist Seminar Nummer zwei abgeschlossen und es wartet nur noch eine Hausarbeit zum Thema “Dissatisfaction with Democratic Politics – Dealing with Populism” auf mich.

Das zu prüfende Seminar war ein wenig anders aufgebaut als mein “Blame Avoidance”-Seminar, es lässt sich auch kaum bestreiten, dass es einfacher war. Das hat verschiedene Gründe:
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Endspurt oder wie ich blame avoide

Endspurt
Bild: Lutz Mache | CC

Noch knapp eine Woche und ich befinde mich wieder in heimatlichen Gefilden. Bis dahin ist noch jede Menge zu Tun, von organisatorischen Dingen wie Auszug und Bankkontoauflösung bis zu tränenreichen Abschiedsfeiern. Achja, und Seminare abschließen.

Gesagt, getan: Gestern habe ich Seminar Nummer 1 mit einer mündlichen Prüfung abgeschlossen: “Administration, Politics, and Blame Avoidance Strategies”. Selbstverständlich war die Unterrichtssprache im Seminar Englisch, genauso wie die anderen beiden Seminare auch. Die Auswahl an englischen Seminaren ist hier in Aarhus größer als in Potsdam, was unter anderem auch am Aufbau des Masters liegt. Jeder Masterstudent* der Politikwissenschaften muss mindestens ein englischsprachiges Seminar absolvieren.

Geleitet wurde das Seminar von Peter Bjerre Mortensen, einem verhältnismäßig jungen aber überaus engagiertem Professor, der erst kürzlich (2008-2010) ein Forschungsprojekt des “Danish Social Science Research Council (FSE) zum Thema “Delegation and blame avoidance” betreute. Somit konnten wir im Seminar auf neueste Forschungsergebnisse zurückgreifen und auch Prof. Mortensen hat weiterhin Anregungen aus dem Seminar in seine Arbeiten mit einfließen lassen.

Trotz meiner – zumindest laut Studienordnung – knapp 300 Stunden Arbeitsaufwand für dieses Seminar fällt es mir immer noch schwer, das Thema des Seminars in ein verständliches Deutsch zu übersetzen, ich bemühe mich dennoch einmal:
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Ein Lichtlein brennt

Advent
Bild: Lutz Mache | CC

Einen fröhlichen ersten Advent und eine besinnliche Weihnachtszeit. Hier sind alle auf Kerzen, Tannenbäume und Gebäck eingestimmt, auch die Küche ist selbstverständlich geschmückt. Ein Novum bleibt: Der Christstollen ist bereits alle, dieses Jahr also kein Stollen zum 1. Advent. Muss ich wohl nochmal ran…

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Eine Goldmedaille

Nachschub
Bild: Lutz Mache | CC

Schon wieder Koch-Content, aber was solls, ich kann sehr wohl stolz sein. Das Bild ist der Beweis meines allerersten Christstollen-Wagnisses. Es hat noch Potenzial nach oben, aber ich bin dennoch stolz, was ich da geschaffen habe. Er war leider zu feucht, sodass er am Boden verbrannt ist und weiter oben eigentlich noch ein paar Minuten im Ofen verbringen hätte können. Wenn man jedoch den verbrannten Boden abschneidet, schmeckt er hervorragend und ist auch nicht zu trocken. Vielleicht noch eine Spur zuviel Lebkuchengewürz.

Zwischendurch habe ich den bearbeiteten Teig vor lauter Freude einen “Prachtkerl” genannt. Weil wir hier in der Küche auch gern landestypische (Sprach-)Eigenheiten austauschen, kamen wir bald zu folgender ähnlichen dänischen Redewendung: Genau wie heute noch in Indien war es den Dänen früher lieber, wenn sie Jungen statt Mädchen als Nachwuchs bekommen. Man(n) muss ja schließlich den Wikingernachwuchs sichern. Jeder männliche Sprössling wurde daher als Gewinn einer “Goldmedaille” bezeichnet, während Mädchen nur einen “Silbermedaille”-Gewinn darstellten. Ganz fiese Zungen sprechen heute noch davon, dass männliche Neugeborene mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung eine “Silbermedaille” sind.

Im Übrigen war der Stollen Teil eines riesengroßen Thanksgiving-Dinners mit 2 gebratenen Puten, 8kg Kartoffeln und jeder Menge Beilagen. Das führte dazu, dass die prallgefüllten Bäuche der Dänen noch eine deutsche Spezialität kennenlernen durften: den “Absacker”. Selten zuvor habe ich auch einen so nötig gehabt.

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Nachschub ist da!

Nachschub
Bild: Lutz Mache | CC

Eine merkwürdige Angewohnheit hat sich hier eingeschlichen. Mein Gesundheitszustand ist offenbar abhängig von der Verfügbarkeit eines ganz bestimmten äußerst schmackhaften kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränks.

Zur Erläuterung: Ich bin bereits das dritte Mal innerhalb der letzten 4 Monate krank gewesen. Mit der Zeit ein wenig lästig, aber ich habe es überlebt. Und neuesten medizinischen Erkenntnissen zufolge ist das wohl sogar Ausweis einer überaus gesunden Körperabwehr. Meistens ist mein Hals und Rachen betroffen, sodass ich hektoliterweise Tee mit Honig trinke und in der Zeit auf eines meiner Grundnahrungsmittel verzichte: Coca-Cola. Wer mich kennt, weiß von meinem nahezu innigen und durch Suchtanzeichen geprägten Verhältnis zu dieser Köstlichkeit. Meine Tagesbedarf ist jedenfalls – gelinde gesagt – weit über dem Durchschnitt.

Umso überraschter und vor allem erfreuter war ich daher über eine Institution in meinem Wohnheim, die eher aus der (finanziellen) Not heraus geboren ist. Einmal im Monat fährt Jakob, der Einzige auf dem Flur mit einem Auto, über die Grenze nach Deutschland und kauft palettenweise (siehe Foto oben) Dosengetränke ein – in der Regel Sprite, Fanta und eben Coca-Cola. Dazu selbstverständlich noch größere Mengen Bier und Cidre. Desweiteren noch kleinere Snacks, die wie alle anderen Sachen deutlich billiger als in Dänemark sind. All das wird dann auf dem Flur gewissermaßen “weiterverkauft”, was in der Praxis so aussieht, dass sich jeder etwas nimmt – zum Beispiel täglich mehrere Cola-Dosen – und auf einer Liste vermerkt, die am Monatsende abgerechnet wird.

Trotz der mehr als vierstündigen Fahrt hin und zurück lohnt sich die Tour. Am besten zeigt es sich an den Coca-Cola-Preisen. Die 0,33l-Dose wird auf dem Flur also für 5 Kronen (67 Eurocents) gehandelt = Einkaufspreis + Transportkosten + vermutlich noch ein kleines Taschengeld für Jakob ;)
Im Netto nebenan bezahle ich für dasselbe Produkt 7 Kronen (94 Eurocents).

Seitdem ich hier bin, muss Jakob immer noch ein bisschen mehr Cola holen. Das ist leider manchmal nicht genug und es setzt eine sprichwörtliche Durststrecke bis zu seiner nächsten Fahrt ein. Just in diesen entbehrungsreichen Tagen werde ich krank und pünktlich mit der nächsten Lieferung gesund. Beängstigend, ich weiß. Kommen wir zum Fazit:

Und die Moral von der Geschicht’? Vergiss dem Lutz seine Cola nicht!

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Essen, essen, essen

Bazar West
Bild: Lutz Mache | CC

Ich wurde gestern von einer Amerikanerin gefragt, was ich am meisten an Berlin vermisse. Ich habe darüber schon einmal nachgedacht und konnte daher recht schnell antworten: “Das Essen.” In Berlin ist es prinzipiell kein Problem mal schnell irgendwo einen Döner, gebratene Nudeln oder eine Pizza oder irgendwas sattmachendes für zwei bis drei Euro zu bekommen. Ganz im Gegensatz zu Dänemark. Unter vier bis fünf Euro kommt man nicht an einen Schnellimbiß und die Portiönchen reichen für meinen hungrigen Magen bei weitem nicht aus. So kommt es, wie es kommen muss: Selber kochen ist angesagt!

Das funktioniert auch erstaunlich gut, selbst während der zwei Jahre in meiner Ein-Raum-Wohnung habe ich nicht so viel gekocht und habe daran sogar in Maßen gefallen gefunden. Entgegen kommen mir die hier schon angesprochenen Dinner-Dienstage im Wohnheim, da bleibt kein Geschmacksnerv unangetastet! Als Austauschstudent bin ich jedoch mehr oder weniger gezwungen “heimische” Küche zu präsentieren, was bisher zu folgenden Kocherfolgen führte: Kasseler mit Sauerkraut und Kartoffeln; Schnitzel mit Kroketten, Salat und Sauce Hollandaise (in bester Zusammenarbeit mit meiner deutschen Nachbarin Katharina); Selbstgemachte(!) Kartoffelpuffer mit Apfelmus.
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Ein Tag zum Kennenlernen

Tuborg Julebryg
Bild via

Heute ist der 05. November, der erste Donnerstag im Monat November. Ein Tag, der alljährlich die Menschen in Dänemark auf die Straße treibt. Ein Tag, an dem die dänischen Sicherheitsbehörden ihre höchsten Einsatzzeiten zu verzeichnen haben. Nein, wir sprechen hier von keiner politischen Demonstration a lá Stuttgart21 oder ein Rosa-Luxemburg-Gedenkmarsch.

Der 05. November ist ein Tag, an dem man die dänische Kultur näher unter Augenschein nehmen kann: Alljährlich kurz vor Weihnachten bringt die Brauerei Tuborg ihr “Julebryg” – ihr Weihnachtsbier – heraus. Um Punkt 20:59 brechen hier alle Dämme, wenn der Legende nach die Weihnachtsfeen mit dem vollbeladenen Julebryg-Truck vorfahren und die Weihnachtszeit einläuten (so oder so ähnlich wurde es mir heute unter erschwerten Artikulationsbedingungen erläutert). Das Julebryg ist kräftiger als normales Bier und mit “weihnachtlichen Gewürzen” versehen. Noch bis vor ein paar Jahren wurde der J-Dag an einem Mittwoch gefeiert, was jedoch zu vermehrten Unterrichtsfehlzeiten am Donnerstag führte, daher einigten sich der dänische Brauereiverband und Tuborg auf einen Freitag als Veröffentlichungstermin.

Das alles ist offenbar mit unserem Glühwein auf Weihnachtsmärkten zu vergleichen. Ich werde es wohl mal probieren, da ich jedoch erklärter Bier-Nicht-Trinker bin, wird sich mein Konsum wohl auf ein Minimum beschränken. Wer es jedoch in Deutschland gern einmal probieren möchte, dem bringe ich gern eins mit!

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99 Tage Dänemark

In der Küche beim Kochen
Bild: Lutz Mache | CC

Heute morgen habe ich mein Ticket zurück nach Deutschland gebucht. Am Sonntag, den 19.12. werde ich Århus verlassen, dann habe ich exakt 144 Tage im Ausland verbracht. Mit dem heutigen Tag sind es dann 99.

Ein Bergfest habe ich nicht gefeiert, aus zweierlei Gründen: 1.) Ich habe es nicht einmal mitbekommen und 2.) Ich will hier eigentlich gar nicht weg. Århus ist mein zuhause geworden, hier habe ich (neue) Freunde (keine Sorge an all die “alten” – ein Gruß an dieser Stelle!) gewonnen, hier habe ich es mir gemütlich gemacht, hier ist mein derzeitiger Lebensmittelpunkt. Es gibt wahrhaftig nur ein einziges Problem: das liebe Geld. Der ganze Spaß hier hat mehr gekostet als gedacht, daher bin ich finanziell auch froh, wenn ich wieder in Berlin bin.

Dennoch hier ein kurzer 100-Tage-Gesamteindruck, den ich in den nächsten Tag einzeln noch näher beschreiben möchte:

Zimmer – Was braucht mensch mehr? Ein Zimmer mit Schreibtisch, Bett, Regal und Kleiderschrank, dazu eine eigene kleine Naßzelle. Ich habe mich sehr schnell daran gewöhnt, hatte bei einem Blitzbesuch in Berlin schon Probleme mich in der alten Wohnung zurechtzufinden. Mit der Straße habe ich mich mittlerweile auch arrangiert, wenn ich nur spät genug ins Bett gehe, fahren keine Autos mehr und ich kann “in Ruhe” einschlafen.

Mitbewohner – Die ersten (Fie, Mads und Karen) musste ich bereits leider verabschieden – bei der Zahl an Mitbewohnern bleibt Fluktuation nicht aus. Ich habe mich aber schnell mit allen angefreundet, diverse Festlichkeiten sind dafür bestens geeignet. Jeden Dienstag wird gemeinsam gekocht, d.h. 2 kochen und der Rest muss danach abwaschen. Spannende Einblicke in verschiedene Esskulturen garantiert!

Uni – Anstrengender als gedacht. Drei Seminare absolviere ich hier, ein Pflichtseminar über das dänische, respektive skandinavische System, ein Seminar zum Thema Politikverdrossenheit und ein Seminar zum Thema “Blame Avoidance” (ich hab bis jetzt noch keine ansprechende deutsche Übersetzung gefunden, liefere ich nach!). Alle Seminare sind erstklassig und qualitativ sehr wertvoll. Ideale Bedingungen, was sowohl Seminargröße als auch Ausstattung sowie Lehrpersonal betrifft. Dazu später mehr.

Freizeitgestaltung – Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass hier nicht mitunter ausschweifende Festivitäten stattfinden. Ich habe selbstverständlich viel Spaß, erstaunlich viele Themen- und Kostümpartys, aber auch dazu später mehr.

Erkenntnisgewinn(e) – Mehr als ausreichend. Menschlich, kulturell, sprachlich, etc. war es bisher eine einmalige Erfahrung. Das hätte ich so nicht erwartet.

Ich würde gern länger bleiben, aber das Geld als auch mein Studium machen mir organisatorisch einen Strich durch die Rechnung. Deshalb, auf die letzten 45!

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Schreibblockade

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Bild: Bushlemon | Quelle

Ich versuche seit 4 Wochen einen neuen Blogeintrag zu schreiben. Seit fast 2 Wochen steht auch schon der halbe Text für einen Artikel über mich und meine persönlichen Werdegang. Dennoch: Ich werde nicht fertig; bin unzufrieden mit der Struktur, dem Satzbau und im Prinzip mit dem ganzen Inhalt. Es ist schwer aufzuschreiben und zusammenzufassen, was die letzten Wochen geschehen ist. Die Uni ist super, die Seminare sind superanstrengend, die Wochenenden sind dafür umso weniger produktiv. Die Dänen sind immer noch ein lustiges Volk (demnächst mehr dänische Eigenheiten). Und wie gesagt: Auch bei mir hat sich einiges getan.

Ich werde weiter an den nächsten Artikeln arbeiten, schließlich soll der Spaß hier ja auch eine Art Rückversicherung für mein Gedächtnis sein. Soviel sei verraten: Es ist und bleibt großartig hier!

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